Einkauf

Einkauf: Was bedeutet der Aufdruck …?

»Kann Spuren von … enthalten«?

Wird auf der Verpackung eines Produkts die Zutatenliste beispielsweise mit dem Hinweis »Kann Spuren von Milch enthalten« ergänzt, bedeutet dies, dass laut Rezeptur keine Milch für das Produkt verwendet wird, dass aber während des Produktionsprozesses geringe Mengen Milch mit dem Produkt in Berührung gekommen sein können. Eine so genannte Kreuzkontamination kann erfolgen, wenn zum Beispiel ein an sich milchfreies Produkt Verarbeitungsanlagen durchläuft, mit welchen ebenfalls milchhaltige Produkte hergestellt werden.

Diese Hinweise richten sich in erster Linie an Allergiker, weshalb hier auch nur Zutaten angeführt werden, welche laut Allergenkennzeichnungsrichtlinie RL 2003/89/EG auf der Verpackung gekennzeichnet werden müssen, darunter Gluten, Krebstiere, Ei, Fisch, Erdnüsse, Soja und Milch.

Ein Produkt, das einen Hinweis auf (mögliche) Spuren von Milch trägt, ist jedoch nicht automatisch unvegan. Die meisten Menschen, die aus ethischen Beweggründen vegan wurden, möchten nicht weiter dazu beitragen, dass Tiere ausgebeutet und getötet werden. Indem sie den Konsum von Produkten tierlicher Herkunft vermeiden, verringern sie die Nachfrage und damit mittel- und langfristig das Angebot an Tierprodukten. Mit dem Kauf von Lebensmitteln, die für sich genommen vegan, möglicherweise aber mit Oberflächen in Berührung gekommen sind, die wiederum mit unveganen Rohstoffen Kontakt hatten, steigern sie jedoch nicht die Nachfrage nach letzteren.

Es lässt sich also nicht pauschal festlegen, ob ein Produkt mit oder ohne einen Hinweis auf eine mögliche Kontamination mit einer von Tieren stammenden Zutat vegan oder nicht vegan ist. Die Zutatenliste gewissenhaft zu lesen und gegebenenfalls eine Produktanfrage an den Hersteller zu stellen (wenn sich für das betreffende Produkt keine bereits beantwortete Anfrage im Internet finden lässt) wird sich wohl zumindest in naher Zukunft leider noch nicht vermeiden lassen.

»Rein pflanzlich«?

Auch wenn auf einigen Produkten der Vermerk »rein pflanzlich« zu finden ist, muss dies nicht in jedem Fall der Wirklichkeit entsprechen.
Zum einen enthalten einige Nahrungsmittel trotz dieses Vermerks Zutaten tierischen Ursprungs (etwa Aromen aus Molke oder aus Fischöl gewonnene Vitamine in Margarine), zum anderen werden in fast allen verarbeiteten Lebensmitteln einige Rohstoffe verwendet, die weder von Tieren noch von Pflanzen stammen, darunter vor allem Wasser, Salz und andere Minerale, Hefe und andere Pilze oder Algen.

Ob dabei Nachlässigkeit oder Marketingstrategie die Ursache für eine solche sachlich falsche Angabe ist, lässt sich wohl nur von Fall zu Fall beurteilen.

Ein Blick auf die Zutatenliste und gegebenenfalls eine Anfrage beim Hersteller bleiben also immer noch die Mittel der Wahl.

»Vegan«?

Inzwischen tragen viele Produkte (nicht mehr nur im Bio-Bereich) die Aufschrift »vegan« oder »für vegane Ernährung geeignet«. Da die Bezeichnung »vegan« lebensmittelrechtlich jedoch noch nicht definiert und geschützt ist, können Hersteller sie theoretisch auf die Verpackung eines jeden beliebigen Produkts aufdrucken. Und tatsächlich wurden schon Fälle bekannt, bei denen einzelne Artikel, die zum Beispiel Honig enthielten, als vegan ausgezeichnet wurden, aus welchen Gründen auch immer.

Bei neuen oder bisher unbekannten Produkten empfiehlt sich deshalb in jedem Fall ein Blick auf die Zutatenliste und im Zweifel auf eine beantwortete Produktanfrage.

Etwas mehr Sicherheit bieten Labels, die nur Produkte tragen dürfen, die von einer unabhängigen Kontrollstelle überprüft werden. Beispiele hierfür sind die »Vegan-Blume« der britischen Vegan Society, das V-Label der European Vegetarian Union oder das Vegan-Label der veganen gesellschaft deutschland.


Label der Vegan Society

Label der European Vegetarian Union

Label der veganen gesellschaft deutschland

Die einzelnen Vergabestellen legen ihren Labels jedoch teilweise unterschiedliche Kriterien zugrunde. So wird für Produkte, auf denen eines der drei abgebildeten Labels zu sehen ist, zwar garantiert, dass sie keine tierlichen Inhaltsstoffe enthalten, dass keine tierlichen Hilfsstoffe bei der Produktion verwendet wurden und dass das Produkt nicht an Tieren getestet wurde. Die Vergabe der Vegan-Blume wird jedoch unter anderem ohne Rücksicht auf eine eventuell nicht vegane Verpackung geregelt, wohingegen bei der Vergabe der beiden anderen genannten Labels auch entscheidend ist, ob Verpackungen oder Etiketten zum Beispiel mit caseinhaltigem Leim geklebt werden.

Es bleibt also wieder einmal dir überlassen, inwieweit du dich auf möglicherweise vorschnelle »Vegan«-Auszeichnungen oder auf die verschiedenen Labels verlassen willst. Veganismus steht für die Vermeidung vermeidbaren Leids. Informiere dich darüber, was unser Tierproduktkonsum für die Opfer dieser Industrie bedeutet, und mache dir bewusst, welche Produkte für dich tatsächlich vermeidbar sind. Labels können auf einen schnellen Blick einige Anhaltspunkte liefern, kritisches Denken und ethisch untermauerte Entscheidungfähigkeit können sie aber nicht ersetzen.

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