Umstellung

Umstellung: Gesprächstipps

Wer den Schritt zu einer veganen Lebensweise unternimmt, muss sich zu Beginn nicht nur mit Lebensmitteln und Schuhen, sondern auch mit den Fragen der Mitmenschen auseinandersetzen. Ob diese nun scherzhaft, provozierend oder ernst gemeint sind, je besser du darauf vorbereitet bist, desto einfacher wird es, souverän und selbstsicher darauf einzugehen.

Weiterbildung

Informiere dich ausgiebig über alles, was mit den Themen Veganismus, Tierrechte, Ernährung, Tiernutzung und Landwirtschaft zusammenhängt. Lies so viele Bücher wie möglich, sammle und durchforste verschiedene Seiten im Internet, bestelle Broschüren und anderes Material, abonniere Podcasts, suche nach Videos, beteilige dich an Diskussionen in Online-Foren oder in lokalen Interessengruppen, lies Interviews und besuche Vorträge.
Es ist sehr viel leichter, Fragen zu beantworten und sich auf Gespräche einzulassen, wenn klar ist, dass das eigene Hintergrundwissen ausreicht, um jede Situation ohne Erklärungsnöte und im Sinne des Veganismus (und damit im Sinne der unschuldigen Opfer der Tierindustrie) zu »meistern«.

Respekt

Bleibe beim direkten Umgang mit anderen (auch im Internet) höflich und respektvoll, wie viel Mühe und Selbstbeherrschung dies auch manchmal zu erfordern scheint. Versuche, jeweils auf die andere Person einzugehen, herauszuhören, wie ihre Haltung zum Thema ist und auf welchen Erfahrungen diese beruht. Hat sie ein wirkliches Interesse daran, welche Hürden stehen noch zwischen ihr und einem veganen Leben, und wobei würde sie gerne Hilfe annehmen?

Vorausplanung

Überlege dir im Voraus mögliche Antworten auf Fragen, die dir mit großer Wahrscheinlichkeit begegnen werden. Diese reichen von ganz allgemein (»Warum bist du eigentlich vegan?«) bis sehr speziell (»Was würdest du tun, wenn du auf einer Insel gestrandet wärst, auf der nur Fleisch wächst?«). Dabei ist es nicht immer einfach, die Motivation der anderen Person sofort zu erkennen. Versuche dennoch abzuwägen, mit welcher Absicht eine Frage gestellt wird. Hat dein Gegenüber ein aufrichtiges Interesse an deiner Antwort? Soll einfach ein wenig harmloser Small Talk betrieben werden? Oder geht es sogar darum, dich zu provozieren? Es kann nie schaden, vor jeder Antwort kurz innezuhalten und die Situation einzuschätzen.

Gemeinsamkeiten

Versuche, durch eigene Fragen festzustellen, wo die Person in Bezug auf unser Thema steht. Hat sie bereits etwas Vorwissen oder gar Vorurteile? Was sind ihre Ansichten, Interessen, Befürchtungen? Berichte von deinen eigenen Erfahrungen. Von welchem Punkt aus kann gemeinsam versucht werden, zu einem Ergebnis zu kommen, eine Verbindung herzustellen zwischen den eigenen Wertvorstellungen, dem eigenem Handeln und den Konsequenzen für andere und die Umwelt? Dieser Punkt liegt bei jedem Menschen an einer anderen Stelle, und es lohnt sich für beide Seiten, sich ihm so weit wie möglich anzunähern, bevor weitere Fragen erörtert werden.

Geduld

Du hast einige Sätze (»Wir brauchen Fleisch wegen dem Protein« oder »Pflanzen haben auch Gefühle«) vielleicht schon hundertfach gehört, dennoch solltest du vorerst davon ausgehen, dass solche Fragen oder Argumente durchaus ernst gemeint sein können und vielleicht zum ersten Mal überhaupt an einen veganen Mitmenschen gerichtet werden. In solch einem Moment repräsentieren du und deine Antworten – was sowohl Inhalt als auch Tonfall betrifft – die gesamte vegane Bewegung. Auch wenn du einen offensichtlichen Sachverhalt zum hundertsten Mal erklären musst, bleibe freundlich, positiv und offen. Frage ab und zu nach, ob das eben Gesagte richtig angekommen und nachvollziehbar ist.

Inspiration

Versuche nach Möglichkeit nicht, um jeden Preis zu überzeugen oder die Diskussion zu »gewinnen«. Berichte von deinen eigenen Beobachtungen und Gefühlen und lasse dein Gegenüber eigene Entscheidungen treffen. Du kannst niemanden zwingen, das zu tun, wovon du überzeugt bist, dass es das Richtige ist, also versuche es gar nicht erst. Wenn du jedoch in der Lage bist, logisch, konsistent und nachvollziehbar zu erklären, warum du vegan lebst, ist es mehr als wahrscheinlich, dass du bei anderen ein Samenkorn pflanzt, das nur etwas Zeit benötigt, um zu wachsen.

Ehrlichkeit

Ziehe Zahlen oder Statistiken nur dann heran, wenn danach gefragt wurde. Wenn du eine bestimmte Information oder die Antwort auf eine spezielle Frage nicht parat hast, mache keinen Hehl daraus, sondern bleibe bei der Wahrheit. Ein geeigneter Satz wäre etwa »Das weiß ich nicht. Ich werde mich aber darüber informieren. Möchtest du, dass ich dich kontaktiere, wenn ich die Information gefunden habe?«

Konzentration

Behalte immer im Gedächtnis, worum es wirklich geht. Manchmal driften Gespräche ab und drehen sich plötzlich um Nebensächlichkeiten wie die Verfügbarkeit einer ungekühlt haltbaren, aufschlagfähigen und sojafreien Alternative zu Sahne aus Kuhmilch in nicht zu überteuerten, ohne Auto erreichbaren kleinstädtischen Supermärkten. Wenn genügend Zeit zur Verfügung steht, ist gegen solche Erörterungen nichts einzuwenden, manchmal ist es aber sinnvoll, den Fokus wieder auf das eigentliche Thema zu lenken, in unserem Fall die vielen Milliarden empfindungsfähigen Tiere, die jeden Tag für unser Vergnügen und unsere Bequemlichkeit leiden und sterben.

Rückblick

Oft ist es auch ratsam, im Nachhinein zurückliegende Gespräche zu analysieren: Was hätte ich anders sagen können, wo war ich mir unsicher, oder worauf hat mein Gegenüber auf welche Weise reagiert? Was hat gut, was weniger gut funktioniert? In welchem Themenbereich kenne ich mich aus und wo könnte ich mir selbst noch etwas Nachhilfe geben? Auch wenn anfangs immer etwas Aufregung mit im Spiel ist und manches Gespräch nicht wie erwartet verläuft, wirst du hinterher an Routine und Sicherheit gewonnen haben.

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