Umstellung

Umstellung: Kognitive Dissonanz

Einige Mitmenschen werden – auch ohne es selbst bewusst wahrzunehmen oder gar zu äußern – ein Problem damit haben, was du richtig machst. Das Gefühl, nicht gegen Konventionen zu verstoßen und auf gewohnte Produkte verzichten zu wollen, gleichzeitig aber unvorstellbares Leid, Verschwendung von Nahrungsmitteln und Verschmutzung von Wasser, Land und Luft zu finanzieren, verursacht bei vielen Menschen eine innere Spannung (»kognitive Dissonanz«), die einige zu lösen versuchen, indem sie Fehler bei denen finden wollen, die sich dazu entschieden haben, weniger zu diesen Problemen beizutragen. Leider sehen nur wenige sofort ein, dass ihr eigenes Verhalten seit Jahrzehnten viel Schaden angerichtet hat, und nur ein kleiner Teil davon entscheidet sich, sein Verhalten auf der Stelle zu ändern. Allein durch die Existenz gesunder veganer Menschen lässt sich jedoch nicht mehr von der Hand weisen, dass sie tagtäglich Dinge tun, die enormes Leid verursachen, aber nicht notwendig sind.

Es fällt uns generell immer leichter, ein Unrecht, an welchem wir uns selbst nicht beteiligen, zu erkennen und zu kritisieren, als eine eigene Gewohnheit, noch dazu, wenn sich das gesamte soziale Umfeld ebenso verhält und schon immer verhalten hat. Beispielsweise wird einer Aktivistin mit einiger Sicherheit viel Sympathie entgegengebracht werden, wenn sie sich gegen die Schlachtung von Hunden einsetzt. Ersetzt sie die Gruppe der Opfer kurzfristig durch Hühner, werden die Reaktionen in den meisten Fällen von Skepsis bis zum Vorwurf des Fanatismus reichen. Dieser Umstand hat weniger damit zu tun, dass Hunde und Hühner in ihrer Empfindungsfähigkeit maßgebliche Unterschiede aufweisen, sondern damit, dass wir zwar in Bezug auf Hunde nicht die »Bösen« sein wollen, hinsichtlich der Hühner aber nicht die »Guten« sein können, weil wir dann unsere Lebensweise umstellen müssten. Einzig durch die Entscheidung, vegan zu leben und jegliche Tierausbeutung zu vermeiden, lässt sich diese Dissonanz auflösen.

Wird aggressiv, beleidigend oder einfach nur wirr auf deine Erklärungen reagiert, ist es also wahrscheinlich, dass dein Gegenüber in Wirklichkeit nicht mit dir und deinen Argumenten ringt, sondern mit seinem eigenen Gewissen. Beinahe jede noch so absurde Rechtfertigung wird herangezogen, um diesen Missklang zwischen eigenem Handeln und Wertvorstellungen zu verdrängen. Menschen entscheiden sich keinesfalls immer rational für die vernünftigste Lösung. Wenn deine Mitwelt aufgrund deiner Haltung dir gegenüber nichts als Unverständnis zeigt, erinnere dich daran, warum du tust, was du tust. Die richtige Art zu handeln ist leider nicht immer auch gleichzeitig die populärste.

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