Gegenargumente

»Veganismus ist zu extrem.«

Bei dieser Frage kommt es wohl auf das eigene Verhältnis zu diesem Wort an. Also urteile selbst: Wie extrem ist es, das Prinzip »Leben und leben lassen« nicht nur im Munde zu führen, sondern auch tatsächlich umzusetzen? Das nicht mehr zu tun, wovor einem das Gewissen schon längst abgeraten hat? Unsere gemeinsamen Grundwerte auch praktisch auf das tägliche Leben anzuwenden und sich zu entscheiden gegen Leid, Gewalt und Unterdrückung und für Gerechtigkeit, Freiheit und Respekt?

Und wie extrem ist es, jedes Jahr 50 Milliarden Tiere auf die Welt zu bringen, nur um sie umzubringen? Sie zu mästen oder zu leistungsfähigen Produktionseinheiten zu machen, sie über Jahre hinweg einzusperren und ihnen jegliche Form von arteigenem Verhalten unmöglich zu machen? Ihnen Lebenszweck, Raum, Ernährung, Zeitpunkt der Fortpflanzung und des Todes zuzuweisen und sie zu Ware zu machen in einem mit brutalsten Mitteln von Menschen dominierten Wirtschaftssystem?

Die Nutzung nichtmenschlicher Tiere verursacht immer größere ökologische Schäden, verschwendet Wasser und pflanzliche Nahrungsressourcen, führt immer öfter zu gesundheitlichen Nachteilen und bringt vor allem die Gefangenhaltung und Tötung einer unvorstellbar hohen Zahl an Individuen mit sich. Bemerkenswert mag erscheinen, dass wir den Tod von etwa 99,9 Prozent dieser Individuen allein dadurch rechtfertigen, dass uns der Verzehr ihrer toten Körper Genuss verschafft.

Tierrechte und Veganismus sind eine folgerichtige Manifestation von Werten, welche fast alle Menschen ohnehin bereits vertreten. Bei näherer Betrachtung muss dann auch Veganismus und die Forderung nach Tierrechten als die unextremste Haltung, die man sich vorstellen kann, bezeichnet werden. Es geht darum, keine Gewalt gegen Unschuldige auszuüben. Es geht darum, nicht zu verletzen, nicht zu quälen und nicht zu töten, wenn wir dies nicht müssen.

Wenn wir erwiesenermaßen in der Lage sind, ein erfülltes, gesundes, langes und glückliches Leben zu führen, ohne andere fühlende Individuen auszubeuten, gefangenzuhalten und zu töten, wie können wir es noch rechtfertigen, nicht vegan zu leben? Und wenn wir die Wahl haben zwischen töten oder nicht töten, wenn es eine klare Wahl zu treffen gilt zwischen einer friedfertigen Haltung und einer Haltung, welche Mord aus Gründen des persönlichen Vergnügens befürwortet, wie könnten wir den gewaltlosen Standpunkt als »extrem« bezeichnen?

Wenn die Entscheidung einer Person, die Interessen anderer Individuen ernst zu nehmen, zu weniger Leid und Tod, zu weniger Nahrungsknappheit, zu weniger Umweltzerstörung und mehr zu einer gesunden Ernährung für sich selbst beizutragen, als »extrem« bezeichnet werden kann, müssen wir dieses Wort neu definieren.

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