Veganismus

Warum kein Honig, den Bienen wird doch damit nicht geschadet?

Bei der »Gewinnung« von Honig und Bienenwachs werden Tiere ausgebeutet, soviel liegt in der Natur der Sache. Es werden dabei jedoch auch Bienen verletzt und getötet, teils ohne Absicht, teils vorsätzlich.

Wie in der Milch- und Ei-Industrie werden auch bei der Bienenzucht die Tiere, die als nicht mehr profitabel angesehen werden, vernichtet (Königinnen mit nachlassender »Legeleistung« oder ganze so genannte Kummervölker). Bei der »Körung«, bei der bestimmt werden soll, welche Völker sich am besten zur Weiterzucht eignen, wird eine größere Anzahl Bienen getötet und untersucht. Besteht die Vermutung, dass ein Schwarm den Standort wechseln wird, wird die Königin oft entweder flugunfähig gemacht oder getötet, um den Verbleib des Schwarms an Ort und Stelle zu sichern. Schließlich lässt es sich bei der Entnahme von Honig oder Wachs auch mit größter Sorgfalt nicht vermeiden, dass dabei Tiere verletzt oder getötet werden.

Durch Stress (möglicherweise verursacht durch die wiederholten menschlichen Eingriffe) und minderwertige Nahrung (von Menschen als Ersatz für den genommenen Honig verabreichte Zucker- oder Maissirup-Lösungen) sind Bienen anfälliger für Virus- oder Pilzinfektionen sowie Milbenbefall. Durch den Handel und den Transport mit und von einzelnen Tieren oder ganzen Völkern können eventuell vorhandene Milben auf andere Tiere oder Völker übertragen werden. Werden Krankheitsfälle oder auch gesunde Völker mit Antibiotika, Pestiziden oder anderen Stoffen behandelt, können sich auch bei Milben und anderen »Schädlingen« Resistenzen gegen diese Stoffe entwickeln, was wiederum den Erfolg zukünftiger Behandlungen gefährdet.

Bienenzucht zur Honiggewinnung ist auch ein Akt der Herrschaft über Schwächere. Indem wir ihnen das Produkt nehmen, das sie ausschließlich für sich selbst und ihr Volk erzeugt haben, üben wir das Recht des Stärkeren aus, nach dem wir mit anderen umgehen dürfen, wie wir wollen, aus nur einem einzigen Grund: Wir sind dazu in der Lage. Denn für uns Menschen besteht keinerlei physiologische Notwendigkeit, Honig zu uns zu nehmen. Auch die kleinsten Tiere haben ein Recht darauf, ihr Leben frei zu leben und nicht von uns Menschen in ein Ausbeutungsverhältnis gesetzt und manipuliert zu werden für Produkte, für die sie praktisch ihr ganzes Leben lang1 arbeiten, zu denen sich uns hingegen ausreichende Alternativen anbieten.

Warum anderen etwas wegnehmen, das sie ganz ohne Zweifel nur für sich selbst hergestellt haben, wenn wir es eigentlich gar nicht brauchen? Schließlich stehen uns ebenso klebrig-süße Alternativen wie Agavendicksaft, Reis- oder Ahornsirup, Melasse (aus Zuckerrohr oder -rüben) oder so genannter Löwenzahnhonig zur Verfügung, Wachs können wir in verschiedenen Qualitäten problemlos synthetisch oder aus pflanzlichen Quellen herstellen.

1 Für ein Kilogramm Honig muss ein Volk je nach Lage mehr als 180 000 Kilometer zurücklegen, und um ein Kilogramm Wachs zu produzieren muss ein Volk acht Kilogramm Honig konsumieren.
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